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Fauna und Flora Paraguay
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Segen und Fluch der genmanipulierten Saat

Paraguay hat sich dem Soja-Anbau verschrieben - Vor allem Kleinbauern zahlen für den so genannten Fortschritt die Zeche

"Unbedenklich" nennen Sojabarone in Paraguay das Gift, mit dem sie genmanipulierte Pflanzen besprühen. Doch die Menschen werden krank. Der so genannte Fortschritt treibt gerade Kleinbauern in die Enge.
In Agripina Brites Garten wachsen bunte Bougainvillea, Orangen, Bohnen, Sesam, Mangos und diverse Kräuter. Ein paar Hühner picken gackernd Körnchen vom Boden. Die zwei jüngsten ihrer zehn Kinder ruhen sich in der Hängematte aus. Nur selten fährt ein Auto auf der staubigen Sandpiste vorbei. Typisches Landleben in San Miguel, einer Gemeinde der bitterarmen Provinz San Pedro in Zentralparaguay. Agripina Brites ging es nicht schlecht. Ihr zehn Hektar großes Grundstück erlaubte es ihr, die Großfamilie zu ernähren. Trotzdem wird sie ihr Land nun verkaufen. Seit vor zehn Jahren die ersten Sojafelder hier angelegt wurden, veränderte sich das Leben in San Miguel.

Die Soja entpuppte sich als Riesengeschäft. Die proteinhaltige Bohne wird für Biodiesel und Viehfutter exportiert. Die steigenden Weltmarktpreise erbrachten den Exporteuren rasche Gewinne. Großgrundbesitzer kauften immer mehr Land auf. Paraguay baut inzwischen auf einem Drittel seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche Soja an und ist zum sechstgrößten Sojaexporteur weltweit aufgerückt. San Miguel ist heute eingeschlossen von einer 3000 Hektar großen, grünen Sojawüste. Das Haus der Familie Brites ist das erste der Gemeinde und an drei Seiten von Sojafeldern umgeben. In Paraguay wird fast ausschließlich genmanipulierte Soja angebaut. Sie ist weniger aufwendig in der Handhabung und kommt im Rundum-Sorglos-Paket.

Das vom transnationalen Konzern Monsanto vertriebene Saatgut wird zusammen mit dem darauf abgestimmten Herbizid Roundup geliefert. Es tötet alles Unkraut und Ungeziefer, doch die Sojapflanze überlebt dank eines resistenten Gens. Roundup muss alle paar Wochen gesprüht werden, weil die Monokultur anfällig ist für Schädlinge. Das Gift landet vom Winde verweht im Schulhof, in den Gärten und auf den Feldern der Anwohner. Da die Schädlinge immer resistenter werden, muss die Dosis ständig erhöht werden. Völlig unschädlich sei der Hauptbestandteil Glifosat, behaupten die Sojabarone und Monsanto. Unabhängige Studien etwa der Universität von Caen hingegen kommen zu dem Schluss, dass die Mischung von Glifosat mit Trägerstoffen - wie beim Roundup - extrem toxisch ist und zu Fehlgeburten und Missbildungen führt.

Agripina kann gerade mal lesen und schreiben, sie kennt die Studien nicht. Aber ihr sterben die Küken weg, ihr tränen die Augen, sie muss niesen, und ihre Kinder klagen über Schwindel und Kopfschmerzen. In den vergangenen drei Jahren haben die Probleme zugenommen. In einer etwas weiter entfernt liegenden Gemeinde gibt es ungewöhnlich viele Fehlgeburten, in San Miguel starben vor kurzem zwei Dreijährige - einer davon der Sohn des Vorarbeiters der Sojafarm. "Ihm fiel die Haut in Fetzen vom Körper", sagt Agripina. Woran der Junge starb, oder weshalb ihre Kinder krank sind, weiß die 45-Jährige nicht. "Wenn ein Armer stirbt, interessiert das niemanden", sagt sie bitter. Der örtliche Gesundheitsposten ist nur mit einer Krankenschwester besetzt, die nächste Klinik ist in der Provinzstadt Santani - eine Stunde Fahrzeit entfernt. Doch Geld für einen Arztbesuch haben viele nicht. Krankenhausdirektorin Lilia Pelayo geht davon aus, dass nur 20 Prozent aller Erkrankten ins Hospital kommen. Viel kann auch sie nicht tun - das Labor ist nur rudimentär ausgestattet, es fehlt an Ärzten und Medikamenten. "Wir geben den Patienten Medikamente zum Schutz der Magenschleimhaut". Ihr zufolge gibt es vier Vergiftungspatienten pro Monat, in der Regel stirbt einer davon. Ihrem Gefühl nach haben die Fälle zugenommen, verlässliche Statistiken gibt es aber nicht.

Per Gesetz müssten die Sojabauern einen Abstand von 50 bis 100 Metern zu Siedlungen, Straßen und Wasserläufen einhalten. Doch das steht wie so vieles in Paraguay nur auf dem Papier. Das weiß auch Bauernführer Jorge Galeano. Immer wieder muss er schlichten. Auch die Anwohner von San Miguel protestierten beim Umweltministerium - aber das erklärte die Soja nicht für gesundheitsschädlich. Dann baten die Bewohner, dass nicht mehr bei Südwind gesprüht wird, da der Wind die Schadstoffe dann unweigerlich ins Dorf bläst. Ein Paar Wochen danach kam die Polizei mit mehreren Geländefahrzeugen ins Dorf - angeblich eine Razzia. Sie blieben mehrere Stunden, fragten Bewohner aus, durchsuchten Häuser. "Die wollten uns einschüchtern", sagt Agripina. Andernorts werden Demonstranten kurzerhand festgenommen. Agripina hält den Druck nicht mehr aus.

50 Millionen Guaranties (rund 8000 Euro) hat ihr der Sojabaron für ihr Terrain angeboten. "Damit bekomme ich woanders nur sieben Hektar ohne Wohnhaus", seufzt sie. Oder sie geht in die Stadt. "Der Elendsgürtel um die Hauptstadt Asuncion wächst unaufhörlich", warnt der Soziologe Tomas Palau. Für ihn ist der Sojaboom ein Fluch, mit dem Entwaldung, Vergiftung von Flüssen, Verlust einheimischer Flora und Fauna und Vertreibung von Kleinbauern einhergehen. Das Geschäft machen nur wenige wie die Hersteller von genmanipuliertem Saatgut Monsanto, Aventis und Sygenta, der Agrokonzern Cargill, der Dutzende von Silos besitzt, und drei Viertel der Verladehäfen Paraguays kontrolliert, und ein paar Sojabarone. 1,5 Prozent der Bauern besitzen Palau zufolge drei Viertel des Nutzlandes. Den Kleinbauern biete Cargill oder ein Sojabaron Kredite, wenn sie Soja anbauen. Fällt die Ernte schlecht aus, wächst der Schuldenberg. Meist muss der Kleinbauer irgendwann sein Land an die Großen verkaufen. Der neue Präsident Fernando Lugo war früher Bischof und kennt die Probleme gut. Er hat eine Agrarreform versprochen, doch Palau glaubt nicht daran. "Dann wird er sofort die transnationalen Konzerne, die Sojabauern und die US-Botschaft gegen sich aufbringen".

* Quelle: SANDRA WEISS (Hits: 795)



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